Ziel des Projekts MABEIS ist die Entwicklung hochauflösender, dynamischer Anfälligkeits- und Gefahrenhinweiskarten für gravitative Massenbewegungen in Rheinland-Pfalz. Ereignisse wie die Starkregen- und Flutkatastrophe im Ahrtal im Juli 2021, der Felssturz bei Kestert im März 2021 sowie weitere wetter- und klimabedingte Massenbewegungen verdeutlichen die hohe Relevanz einer verbesserten Gefahrenanalyse.

MABEIS III konzentriert sich auf drei zentrale Forschungsschwerpunkte:

  1. Gefahrenhinweiskarten und Fachinformationssystem
    Die in MABEIS I und II entwickelten massenbewegungsspezifischen Suszeptibilitäts- und Potenzialkarten werden mit Informationen zur vulnerablen Infrastruktur und zu bestehenden Schutzbauwerken zusammengeführt.
  2. Fluviale Erosion und Prallhangerosivität Für Gewässer 2. und 3. Ordnung werden Abfluss- und Erosionspotenziale unter Berücksichtigung morphologischer, geologischer und hydraulischer Faktoren sowie der vorhandenen Infrastruktur untersucht. Ziel ist es, besonders gefährdete Gewässerabschnitte und Ingenieurbauwerke zu identifizieren.
  3. Reaktivierung fossiler Großrutschungen
    Fossile Großrutschungen im Mainzer Becken, im Mittelrhein-, Mosel- und Ahrtal sowie in weiteren Regionen werden hinsichtlich ihrer Entstehung, ihres strukturellen Aufbaus und möglicher Reaktivierungsfaktoren untersucht. Dabei werden geomorphologische, geologische, tektonische, klimatische und hydrologische Einflussfaktoren integrativ betrachtet und miteinander verknüpft.

Rutschungen gehören zu den bedeutendsten gravitativen Massenbewegungen und prägen Landschaften in vielen Regionen der Erde. Sie entstehen durch das komplexe Zusammenspiel von Geologie, Relief, Klima und menschlichen Eingriffen. Starkregen, lang anhaltende Niederschläge, Erosion an Hangfüßen oder bauliche Veränderungen können instabile Hänge aktivieren oder bereits vorhandene Rutschungen reaktivieren.

Die Untersuchung von Rutschungen verbindet Geologie, Geomorphologie, Hydrogeologie, Geotechnik und Fernerkundung. Geländeaufnahmen, digitale Geländemodelle, historische geologische Karten, Satellitendaten sowie GIS- und Modellierungsverfahren ermöglichen es, Aufbau, Entwicklung und Aktivität von Rutschungen zu rekonstruieren und ihre auslösenden Faktoren zu analysieren.

Ein besonderer Schwerpunkt der Forschung liegt auf fossilen und reaktivierten Großrutschungen, deren Strukturen über lange Zeiträume im Relief erhalten bleiben können. Ihre Analyse liefert wichtige Erkenntnisse über die Landschaftsentwicklung und hilft zugleich, potenzielle Gefahren für Siedlungen, Verkehrswege und andere Infrastrukturen zu erkennen.

Die Rutschungsforschung in Mainz verbindet Grundlagenforschung mit angewandter Gefahrenanalyse. Ziel ist es, Prozesse besser zu verstehen, gefährdete Bereiche zu identifizieren und wissenschaftliche Grundlagen für Suszeptibilitäts- und Gefahrenhinweiskarten zu schaffen.

Projekt: MABEIS III (Massenbewegungs-Informationssystem)  2024-2027 

Projektpartner im Verbundvorhaben: 

  • Landesbetrieb Mobilität, RLP (LBM) 
  • Landesamt für Geologie und Bergbau, RLP (LGB) 
  • Forschungsstelle Rutschungen e.V. an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (FSR)

Collaboration partner in the research project: Landslide Dams around the World – from Formation to Mitigation | Springer Book in preparation | planned publication in 2026 | Editors: Anja Dufresne, Xuanmei Fan, Andrea Wolter 

Berufliche Perspektiven bestehen unter anderem in Ingenieurbüros, geologischen Landesämtern, Forschungsinstituten, Behörden, Versicherungen sowie im Infrastruktur- und Risikomanagement. Moderne Methoden wie LiDAR, Satellitenfernerkundung, InSAR, digitale Geländemodelle und GIS spielen dabei eine zunehmend wichtige Rolle bei der Erfassung und Überwachung instabiler Hänge.

Auch Tätigkeiten in der Gefahren- und Risikokartierung, Baugrundbewertung, Verkehrswegeplanung und Überwachung von Schutzmaßnahmen sind typische Anwendungsfelder. Darüber hinaus bietet die Rutschungsforschung eine gute Grundlage für eine wissenschaftliche Laufbahn im Bereich Geowissenschaften, Geomorphologie, Ingenieurgeologie oder Naturgefahrenforschung.

Grundlagen Geoinformatik

(Vorlesung und Übungen)